Schon zum zweiten Mal in diesem Schuljahr besuchten Schüler*innen unserer Schule ein Konzert in Dortmund. Am Freitag, den 5.April stand Leonard Bernsteins West Side Story auf dem Spielplan des Theaters Dortmund.

In zwei Etappen fuhren gut 40 junge Leute zusammen mit ihren Lehrer*innen ins Ruhrgebiet, um das Musical der tragischen Liebesgeschichte á la “Romeo und Julia” live zu erleben.

Bereits am Nachmittag konnte die Hälfte der Schüler*innen einen Blick hinter die Kulissen des Opernbetriebs werfen. Der leere Zuschauersaal aus verschiedenen Perspektiven, die Bühne, die sich für die Aufführung am Abend einem Beleuchtungscheck unterzog, der noch nicht mit Musikern, dafür aber mit allerlei Schlagwerk und anderem Instrumentarium ausgestatteten Orchestergraben, die Hinterbühne mit Kulissen und technischem Equipment, der Malersaal und der Kostümfundus – hinter den Brettern, die die Welt bedeuten, bietet das Theater noch viele Bereiche, in denen künstlerisch, handwerklich und administrativ gearbeitet wird. Bei einem solchen Rundgang lernt man ein Konzerterlebnis erst recht schätzen.

Die zweite Gruppe samt Lehrern traf passend zur Vorführung des Musicals ein. Man nahm im ersten Logenrang des mit über 1100 Besuchern ausverkauften Theaters Platz.

Der König der Löwen in Hamburg und Starlight Express in Bochum haben eigens errichtete Musicaltheater, und auch in anderen großen Spielstätten wie in Oberhausen wird nur ein Musical aufgeführt. In Dortmund – wie auch anderen Theatern mit mehreren Stücken im Spielplan – muss das komplette Bühnenbild für jede Aufführung erneut aufgebaut und die Ton- und Lichttechnik vorbereitet werden. Die Dortmunder Inszenierung überraschte dennoch mit aufwändigen und großen Kulissen, die die Straßenschluchten Manhattens mit viel Liebe zum Detail darstellten. Herzstück war eine drehbare Tankstelle, die auf der Rückseite das Brautmodengeschäft von Anita und Maria offenbarte. Auf dem Dach des Pavillons wurde ebenso gesungen und getanzt. Und selbstverständlich fehlte auch nicht der “Balkon” in Form einer Feuerleiter, auf dem sich Tony und Maria wie Romeo und Julia zum ersten Mal ihre zarte, unschuldige Liebe zuhauchen.

Leonard Bernsteins Musik ließ die “coolen” Jets und die heißblütigen Sharks zum Leben erwecken. Jazzige und lateinamerikanische Harmonien und Rhythmen verschmolzen in dissonanten Klängen – Aggressivität und Schmerz wechselten sich mit großer Liebe, dem Traum von einer besseren Welt und jugendlichen Flausen der Protagonisten ab. Leider führten die Verstrickungen zwischen den Jugendbanden und eine fehlgeleitete Kommunikation von Nachrichten bekanntermaßen nicht zum Happy End.

Es war eine Freude, das Orchester, Mitglieder der Dortmunder Sinfoniker, live zu hören. Bernsteins Partitur birgt viele Herausforderungen, und auch über 60 Jahre nach der Uraufführung (1957) klang die Musik noch frisch, aber auch frech und hochemotional. Die Darsteller waren meist nicht Mitglieder des Dortmunder Ensembles, da kaum ein Theater eigens ausgebildete Musicaldarsteller hat. Gesang und Tanz bedeuten im Musical andere Klangfarben und Beweungen als in Opern oder Operetten. Die Besetzung vom letzten Freitag war hervorragend, sowohl die anspruchsvollen Gesangspassagen, als auch eine schnelle, teils akrobatische Choreographie ließen spüren, wie zeitgemäß die Themen und Motive der West Side Story auch heute noch sind.

Die Bahn brachte die Schüler*innen und Lehrer*innen des Kopi pünktlich und heil wieder zurück nach Rheine. In den Köpfen hallte es noch lange nach: La-la-la-la-la-lAmerica!