„Man muss kein Psychopath sein, um über einen zu schreiben“: Krimi- und Jugendbuchautor Arno Strobel las am Mittwoch in der Aula des Kopernikus-Gymnasiums aus seinen Büchern und erzählte aus seinen Leben. Foto: Hesping

„Sie wirken gar nicht wie ein Psychopath“

-ach- RHEINE. Eine Gruppe von Jugendlichen, zwei Tage und Nächte durch ein Unwetter in einer Berghütte gefangen. Plötzlich ist einer von ihnen verschunden. Eine Blutlache deutet auf etwas Schreckliches hin…

Keine Frage, Arno Strobel hat ein Faible für düstere Geschichten; nicht umsonst zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Thrillerautoren. Am Mittwochvormittag war er in der Aula des Kopernikus-Gymnasiums Rheine zu Gast, wo er den Schülern der neunten Jahrgangsstufe aus seinem Jugendbuch „Abgründig“ vorlas. Darüber hinaus las er zur Überraschung auch noch aus dem Manuskript zu „Spy“, seiner neuesten Jugendbuch-Reihe, deren erster Titel im Februar erscheinen soll. „Ich bin auch schon ganz gespannt, heute lese ich zum ersten Mal daraus, eine Premiere“, verriet der Bestsellerautor.

Mucksmäuschenstill wurde es in der Aula, als Arno Strobel zu lesen begann und mit seinen Worten düstere Szenen aus den Alpen in den Köpfen der Jugendlichen entstehen ließ. Oder von dem Jungen erzählte, der mutig einen Smartphone-Dieb stellen wollte – und sich dann plötzlich auf einer Schule für Spione wiederfindet.

Jeweils knapp 15 Minuten las er aus jedem Buch, die restliche Zeit war für den Austausch mit den Schülern vorgesehen. Und tatsächlich hatten diese jede Menge Fragen – sowohl zu seinen Büchern, als auch zu seinem Werdegang und dem Berufsbild des Schriftstellers. „Sie wirken gar nicht wie ein Psychopath“, stellte die erste Schülerin ganz gerade heraus fest, „Wie kommen Sie auf die Ideen für ihre Bücher?“ Da musste Arno Strobel schmunzeln. „Man muss kein Psychopath sein, um über einen zu schreiben. Man braucht nur eine sehr gute Beobachtungsgabe und genügend Fantasie“, verriet der Schriftsteller. Das lege er überhaupt jedem nahe, der eine Geschichte schreiben will: „Setzt euch mal fünf bis zehn Minuten an einen Ort, an dem viel los ist, und beobachtet die Menschen ganz genau. Die Ideen für Geschichten werden nur so sprudeln“, versprach er.

Die Hände der Schüler schossen daraufhin regelrecht in die Luft. Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben? Geben die Verlage Themen vor? Was verdient ein Autor eigentlich an einem Buch? Reicht das zum Leben? „Um Klartext zu sprechen: Es gibt in Deutschland vielleicht 100 bis 150 Schriftsteller, die allein vom Schreiben gut Leben können“, antwortete Strobel. „Selbst wenn man es in die Bestsellerliste schafft, heißt das nicht, dass man für immer davon leben kann. Es gehört einfach auch ein bisschen Glück dazu, dass man zur richtigen Zeit die richtigen Leute trifft.“ Trotzdem sei es für ihn die beste Entscheidung gewesen, Schriftsteller zu werden; auch wenn er erst mit 40 Jahren damit angefangen habe und bis vor fünf Jahren sogar noch hauptberuflich als Projektleiter in einer Bank arbeitete; eher er sich dazu entschied, ausschließlich Schriftsteller zu sein. „Ich weiß, Lesen ist in eurem Alter so eine Sache, aber ich hoffe, ich konnte euch heute ein wenig für Bücher und für das Schreiben interessieren“, sagte Strobel abschließend. Der begeisterte Applaus der Schüler sprach Bände.